Tourismus macht Muell Foto Jake Kheel

Müll und Tourismus in der Dominikanischen Republik

Jake Kheel - Umweltdirektor des Puntacana Resort & Club Ich hätte nie gedacht, dass mein Job bei einem führenden Dominikanischen Resort so schmutzig sein würde, zumindest nicht am Anfang. Ich verbrachte meine ersten Monate als Umweltdirektor des Puntacana Resort & Club mit meinem Team damit, hunderte von Müllsäcken aus dem Resort und seinem Flughafen zu öffnen und zu prüfen.

Wir kategorisierten das Abfallmaterial, um herauszufinden, wie wir den Kauf von unbrauchbaren Materialien minimieren oder alternative Endlagerstätten für unsere Abfälle finden können, anstatt der Deponie die wir benutzten, als ich ankam.

Tourismus macht Müll. Damals, im Jahr 2005, produzierte die Region Punta Cana, eine der am schnellsten wachsenden Destinationen in der Karibik, mit mehr als 30.000 Hotelzimmern und fast zwei Millionen ankommenden Passagieren jährlich, zwischen zwanzig und dreißig Tonnen Müll täglich. Doch Tourismus fordert Sauberkeit. Die Tourismusbranche in der Region Punta Cana und in einem großen Teil der Dominikanischen Republik, ist völlig abhängig von seinen schönen Stränden, kristallklaren Seen und reichlich Frischwasser für die Hotelgäste und die tropische Landschaft.

Flughafen Punta CanaOhne Barrieren um eine Verunreinigung der Grundwasserleitschichten zu vermeiden, konnte die Deponie, die ich bei meiner Ankunft, nur acht Meilen Luftlinie entfernt vom Meer fand, die Süßwasservorräte verschmutzen und möglicherweise das Meer erreichen und die Korallenriffe zerstören.

In Zusammenarbeit mit Victor Ojeda, einem Abfallexperten, der in Lateinamerika zahlreiche Städte, Gemeinden und touristische Ziele in Bezug auf die Schaffung von integrierten Abfallwirtschaftsprogrammen beraten hatte, verbrachten wir nahezu 6 Monate mit der Analyse der Abfallproduktion und des Prozessablaufs sowohl der Puntacana Resort & Clubs wie auch am internationalen Flughafen Punta Cana (ein in Privatbesitz befindlicher und betriebener Flughafen von Puntacana Resort & Club, der bis zu 80 Flüge an einem einzigen Tag empfängt).

Wir mussten eine Alternative zu dieser üblen Deponie, die eine Bedrohung für die Zukunft und die langfristige Nachhaltigkeit des Tourismus darstellte, finden.

Mein erster Besuch in der privat geführten GEROM Deponie war ein Alptraum. Dutzende Dominikanische und Haitianische Buzos (Müllsammler) durchstöberten die Müllberge mit der Hand, auf der Suche nach nützlichen und wertvollen Materialien. Der Geruch war überwältigend. Traktoren schoben die Müllberge von einer Seite zur anderen. Diese "Mülldeponie" war in einem ehemaligen Kalksteinbruch, der in eine nicht isolierte Deponie umgewandelt worden war und auf der der unsortierte Müll aus fast 40 All-Inclusive-Hotels, die in der Region Punta Cana betrieben werden, abgelagert wurde.

Punta Cana - Alte Mülldeponie GeromDas Sammelsystem war nicht viel besser. Aus alten Müllwagen sickerte eine faulige braune Flüssigkeit auf die Straßen des Resorts, wenn sie herumfuhren um den Müll zu sammeln. Hinzu kam, dass das System teuer und oft unberechenbar war und wir waren bereits von einem 10-prozentigen Anstieg der Müllabfuhrgebühren gewarnt. Aber mit wenig staatlicher Aufsicht zur Regelung der Abfallentsorgung (im Jahr 2006 existierte auch keine lokale Regierung), schien keine Lösung in Sicht.

Dennoch mussten wir Lösungen finden. So untersuchten wir unseren Müll und identifizierten zahlreiche, bisher nicht erkannte Probleme. So wollten beispielsweise Benutzer die schmutzigen Müllcontainer nicht berühren und ließen ihren Müll außerhalb der Müllcontainer liegen, auch wenn diese leer waren. Lokale Buzos öffneten dann die Müllbeutel, so dass streunende Hunde und Katzen auf der Suche nach Nahrung, den restlichen Inhalt in der Nähe der Müllcontainer weiter verstreuen konnten. Das unansehnliche Durcheinander zog Wolken von Fliegen und Mücken an.

Bezeichnenderweise bedeutete das Müllcontainer-System auch, dass jeder der Müll hatte, unsere Müllcontainer nutzen konnte und wir dafür bezahlen würden. Mit Abfall der keine erkennbaren Kosten hatte, hatte die Gemeinde auch keinen Anreiz, ihn zu sortieren und zu recyceln. Nach dem Studium unserer Abfallproduktion, erstellten Ojeda und unser Team einen detaillierten Vorschlag für eine völlige Umwandlung unseres bestehendes System in ein Vorzeigemodell. Unser Plan forderte ein neues System auf der Grundlage des wachsenden internationalen Trends der "Null Müll" (Zero Waste) Gemeinden, die versuchen, die Menge an Müll den sie auf die Deponie schicken, zu minimieren.

Recyclingcenter - Puntacana Resort & ClubsWir haben den Bau eines Recycling- und Verbrennungszentrums für das Resort vorgeschlagen, wo wir alle Abfälle aus dem Flughafen-Terminal, von allen ankommenden Flugzeugen und allen Resort Einrichtungen, darunter drei Hotelimmobilien, mehr als 1.000 Häuser, ein mittelgroßes Einkaufszentrum, ein halbes Dutzend Bürogebäude, eine elektrische Anlage, eine industrielle Wäscherei, drei Golfplätze, mehr als 14 Restaurants und einen Yachthafen, aufnehmen und sortieren.

Ein weiterer Vorschlag war die Beseitigung aller Müllcontainer rund um das Resort sowie die Implementierung eines Tür-zu-Tür-Abholservice, den wir selbst verwalten würden, anstatt einen externen Dienstleister anzustellen. Darüber hinaus wurde ein Wurm-Kompostierungssystem geschaffenum organische Abfälle zu behandeln und sie in organische Düngemittel für den Anbau von Gemüse zu verwandeln und um sie als Kompost auf unseren Golfplätzen verwenden zu können. Weitere organische Abfälle wurden den örtlichen Schweinehaltern gegeben, bis eine bessere Lösung gefunden wird.

Neben der Wiederaufbereitungsanlage und der Wurm-Kompostierung haben wir die Umsetzung eines Resorts weiten Aus- und Weiterbildungsprogramm vorgeschlagen, die Einstufung der Abfälle an der Quelle verstärkt um eine Verunreinigung der recyclingfähigen Materialien, die wir verkaufen können, zu vermeiden und die Verwendung von organischen Materialien für die Kompostierung zu erleichtern.

Der Umgang mit unseren Abfällen wurde radikal geändert, es wurde nur ein Bruchteil des Materials auf die Deponie geschickt, unsere Abhängigkeit von externen Unternehmen und ihrer unbeständigen Preise konnte verringert werden und alles zusammen hat schließlich dazu geführt dass wir unsere Kosten senken konnten. Wir bestanden auch darauf, dass wir diese Materialien nicht mehr als "Müll" betrachten, sondern als "Materialien" und "Feststoffabfall", um eine andere Denkweise der Berücksichtigung dieser Materialien als potentiell nützlich, zu fördern.

Tourismus produziert jede Menge MuellNachdem wir gezeigt hatten, wie unser Programm, obwohl expansiv und teuer, sich mit der Zeit selbst tragen würde, erklärte unser CEO, Frank Rainieri "Ja, ja, der finanzielle Teil ist wichtig. Wir müssen es wirtschaftlich nachhaltiger machen. Aber wir müssen dies auch aus einem weiteren, wichtigeren Grund tun. Um konkurrenzfähig zu sein". Er beobachtete, dass Passagiere, Gäste, Hauseigentümer und potenzielle Eigenheimbesitzer vorwiegend aus den Industrieländern kommen und diese würden erwarten, dass ihre Abfälle ordnungsgemäß verarbeitet werden. "Wenn wir wettbewerbsfähig bleiben wollen, müssen wir unseren Abfall genauso gut oder besser als jene Länder bewältigen, aus denen unsere Besucher kommen ", so Rainieri.

Aus diesem Grund wurde "Zero Waste - Null Müll " bei den Puntacana Resort & Clubs eingeführt. Nach sieben Jahren ist es zu einem der größten Recycling-Programme eines Unternehmens in der Dominikanischen Republik geworden. Heute sind wir in der Lage, 47 Prozent aller Abfälle die wir produzieren zu recyceln, was die Menge der Abfälle, die wir an die Deponie (wird nicht mehr von GEROM betrieben) senden, deutlich reduziert und die operativen Kosten verringert. Mit dem Volumen der Wertstoffe die wir erzeugen, haben wir dazu beigetragen, einen Markt dafür in Punta Cana zu schaffen, was Dutzende von Hotels ermutigt hat, ebenfalls mit dem Recycling zu beginnen. Es hat auch zur Schaffung von mehreren Unternehmen geführt, die sich mit Recycling und der integrierten Abfallwirtschaft beschäftigen.

Noch wichtiger aber ist, dass das Programm, das wir regelmäßig auf Konferenzen, bei Besuchen vor Ort, per Video und durch so viele Medienkanäle wie möglich teilen, zur Bildung eines landesweiten Netzes, gewidmet dem "Reduzieren, Wiederverwenden, und Recyclen" inspiriert, was wiederum zu einer verbesserten Abfallwirtschaft von Dutzenden von Unternehmen in der Dominikanischen Republik und zur Verbesserung ihrer Abfallwirtschaft geführt hat.

Obwohl das Programm einen großen Einfluss auf unsere Gemeinschaft und das Unternehmen hatte und bewies, dass es wirtschaftlich lebensfähig sein kann, erkennen wir jetzt, dass Zero Waste nicht nur ein Projekt ist, sondern ein fortlaufender und fast kontinuierlichen Verbesserungsprozess von Praktiken. Unsere Zero Waste Unternehmen haben es noch nicht geschafft, gemäß dem hochtrabenden Namen, alle Abfälle im Resort vollständig zu beseitigen und wir sind immer noch auf der Suche nach einer tragfähigen, langfristigen Lösung für organische Abfälle, um unser wachsendes, aber noch experimentelle Wurm-Kompostierungsprogramm zu ergänzen.

Wir führen immer noch kontinuierlich Aus- und Weiterbildungsprogramme im gesamten Resort durch. Und auch ich mache mir gelegentlich meine Hände noch schmutzig.

Eine wurmige Geschichte

Kompostduengung am Golfplatz Punta CanaIch hätte nie gedacht, dass heute eine meiner Hauptinteressen Würmer sein würden. In dem Bemühen um eine bessere Nutzung der Abfälle, haben wir mit der Wurm-Kompostierung begonnen - als Experiment, um zu sehen, ob wir in der Lage sind, qualitativ hochwertigen Kompost, die für Gemüseproduktion zu produzieren und um importierte Düngemittel zu ersetzen, die auf dem Golfplatz genutzt werden konnten.

Wir sind deutlich anspruchsvoller in unserer Wurmkompostierung geworden und holten uns Experten aus Kalifornien und dem Staat New York, die uns berieten. Jetzt wird all das organische Material in belüfteten Kompostern vorkompostiert. Es handelt sich dabei um geschlossene Behälter mit einer Luftpumpe mit der in regelmäßigen Abständen Luft in die Behälter geblasen wird um die Mikroorganismen zu stimulieren das Material zu zerkleinern und die Temperatur des Materials auf 140 bis 160 Grad zu bringen.

Es gibt drei Behälter und das Material verbleibt eine Woche in jedem Behälter. Wenn es von einem Behälter in den nächsten kommt, wird das Material gemischt. Das Endprodukt ist eine homogene, halb kompostierte aber fast parasitenfreie Mischung, die von den Würmern gefressen werden kann. Die Würmer sind in der Lage, das Material schneller zu essen und eine bessere Qualität und ein gleichmäßigeres Material zu produzieren, dass wir mit unserem Golfplatz Superintendenten getestet haben und welches sie nun in viel größeren Mengen anfordern.

Recycling-Programm - WurmkompostierungJetzt, da wir ein deutlich hochwertigeres Material produzieren, ist es unsere Herausforderung, dies erheblich zu vergrößern. Die nächste Phase ist Inbetriebnahme ist eines 40 x 6 Fuß großen Ebenenkomposters, ein erhöhter Edelstahl-Kasten mit einem Metallgitter an der Basis. Die Würmer sitzen in der Nähe der Oberseite der Box und der Kompost fällt nach unten durch das Metallgitter, so dass die wir kontinuierlich Kompost produzieren, ohne die Würmer jemals aus dem Kompost nehmen zu müssen. All dies wird von einem lokalen Gemeindemitglied betrieben, der auch die Bienenzucht mit uns betreibt.

 


Der Artikel wurde mit freundlicher Genehmigung von Jake Kheel, Umweltdirektor für die Grupo Puntacana übersetzt und veröffentlicht.
Jake Kheel ist Umweltdirektor für die Grupo Puntacana und Executiv-Direktor der Ökologischen Stiftung PUNTACANA in der Dominikanischen Republik. Er verfügt über eine umfangreiche Erfahrung in der Leitung von interdisziplinären Projekten und hat für seine Arbeit zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten. Er hat einen Master-Abschluss von der Cornell University und BA von der Wesleyan University.

Fotos: Jake Kheel, Ökologische Stiftung Punta Cana, Victor Ojeda, Wikimedia Commons

Originalartikel: Zero Waste in Punta Cana - Garbage and Tourism in the Dominican Republic

 

 

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