Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo Domingo

Der Leuchtturm von Santo Domingo, der Faro a Colón – ist ein Bauwerk, Monument und zugleich auch ein Sammelsurium an Mythen, Sagen, Kulturen.

Nicht ohne Fragezeichen – aber mehr als man auf den ersten Blick vermutet.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoDer Leuchtturm von Santo Domingo ist auf den ersten oberflächlichen Blick nicht gerade ein schönes Gebäude und offenbart seine vielen interessanten Details erst nach genauerem Betrachten. Mit rund 21,795 Besucher im ersten halben Jahr 2017 ist das Monument, das gleichzeitig ein kulturelles Museum beinhaltet, eher unterbesucht und wenn auch die Besucherzahlen stetig wieder ansteigen, so dürfte man dem Bauwerk mehr Beachtung geschenkt werden.

Die Entstehungsgeschichte des Faro a Colon beschrieb ich bereits in einem Artikel* im Jahr 2014 welchen wir am Schluss des Artikels einfachheitshalber noch einmal einfügen.

Heute möchten wir Sie an unseren Gedanken teilhaben lassen, nach einem Besuch dieses riesigen Bauwerks.

Betrachtet man das Gebäude das vor ziemlich genau 25 Jahren fertig gestellt wurde, etwas genauer – so hat es vieles zu entdecken. 48 Länder aus Lateinamerika präsentieren im Erdgeschoss jeweils mit einem Ausstellungsraum ein wenig aus seiner Geschichte, Kultur und führt den Betrachter in eine Zeit der Entdecker und Kolonialisierung dieser neuen Welt zurück.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoDie meisten Besucher kommen hierher, um das Mausoleum zu betrachten, wo angeblich Überreste des bekannten Entdeckers Christoph Kolumbus bestattet sein sollen. Ein Umstand der bestritten ist. Doch mindestens ist es eine respektheischende Gedenkstätte, an den Mann der die Geschichte Lateinamerikas so verändert hat.

Streift man durch die einzelnen Räume, so kann man aber auch oft einige sehr interessante, antike Sammelstücke aus den jeweiligen Ländern finden. Ein Umstand der in letzter Zeit gar Diebe anlockte. So wurde aus diesen Räumlichkeiten Beispielsweise 2011 eine antike, sehr seltene Schusswaffe entwendet, welche dank schnellem und gezieltem Einsatz der Dominikanischen Polizei wieder aufgefunden wurde.

Die ausgestellten Stücke sind Spenden an die Dominikanische Republik und sind in einer solchen Sammlung eine Ausnahme. Kaum an einem anderen Platz auf dieser Erde kann man auf einer solchen Fläche so viele Eindrücke aus 48 Ländern besichtigen.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoVielen Besuchern fällt es nicht einmal auf, dass Sie bei einem Durchgang eigentlich nur das Erdgeschoss dieses immerhin 6 Stockwerke umfassenden Gebäudes sehen können. Denn die weiteren Stockwerke können nur mit speziellen Bewilligungen betreten werden. Sei dies von speziellen Studentengruppen, Restauratoren und anderen Gästen, welche in den seltenen Genuss kommen, die dort untergebrachten, geschichtsträchtigen Sammelstücke zu besichtigen.

Sehr alte Land- und Seekarten, viele sehr alte Uniformen und Fundstücke welche aus der Zeit der Entdeckung, Kolonialisierung stammen. Jedoch auch Überbleibsel von Sklavenschiffen, Zeitzeugnisse aus der Zeit des Diktators Trujillo, Stücke aus dem Unabhängigkeitskrieg von Haiti – sind dort in den Räumlichkeiten untergebracht.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoManch Geschichtsinteressierte würde da Tage verbringen, um die einzelnen Epochen der Geschichte des Landes anhand der Fundstücke zu rekonstruieren. Eigentlich schade, dass die verbleibenden 5 Stockwerke dieses Leuchtturms dem Publikum vorenthalten bleiben. Auch könnte man da mit wenig Aufwand noch bedeutend mehr an Attraktivität für die Touristen und Besucher dieses Vielzweckgebäudes gewinnen.

Wir vermissten beispielsweise eine Möglichkeit um auf eine Plattform zu gelangen um die Aussicht auf die Stadt zu bewundern. Immerhin ist der Faro rund 46 Meter hoch und wäre auch vom Standort her, wie geschaffen für einen solchen Ausguck.

Geschichtsträchtiges findet man in den öffentlichen Räumen vieles, leider aber keinen Laden, wo man interessante Lektüre dazu erwerben könnte. Für unseren Eindruck, sträflich vernachlässigt, das man ein eigentliches Souvenir vom Besuch des Faro a Colon wohl selbst anhand von Fotos machen muss. Wir fanden weder ein Modell, noch Bücher noch irgendwelche wirklich interessante Kleinode, welche den sowieso schon unterschätzten Wert dieses Monuments etwas aufwerteten in Form von einem guten Andenken, von Bildungsmaterial, um überhaupt zu verstehen, was dieser Leuchtturm überhaupt beinhaltet und bedeutet.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoStundenlanges Gehen durch die Räume ermüdet, macht vielleicht gar Hunger oder weckt den Wunsch nach einer Erfrischung. Doch es war mehr Zufall als etwas anderes, dass wir eine lieblos eingerichtete Kantine ganz hinten links vom Gebäude fanden, wo das Angebot aber so bescheiden, wie das Ambiente war.

Da war man in dem Giftshop schon mehr bemüht all die Souveniere zu präsentieren, welche man schon im Ganzen Land zu Tausenden gesehen hat – selbst dort muss man Glück haben etwas ansprechendes zu ergattern.

Eigentlich schade, sowohl von den Besuchern, aber auch vom Tourismusministerium selbst, dürfte man diesem Bauwerk, seinem Angebot und seinen Möglichkeiten sicher mehr Beachtung schenken. Denn da findet man auf den zweiten Blick sehr viel interessantes – und der Rundgang ist längst nicht nach dem Betrachten des Papamobils und des Mausoleums beendet.

So unschön die Betonstruktur auf den ersten Blick anmuten kann, so interessant ist es doch diesem Ort viel mehr als nur einen Blick zu würdigen.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo Domingo*Der Faro a Colón ist eines der Wahrzeichen von Santo Domingo.

Faro bedeutet auf Spanisch Leuchtturm und Colon steht für Christoph Kolumbus (Cristobal Colón). Der Faro a Colón ist ein wahrhaft riesiges Gebäude (240 Meter lang, 34 Meter breit und 46 Meter hoch) in Kreuzform. Der Faro war als Zeichen zum 500. Jahrestag der Entdeckung Amerikas geplant und wurde erst wenige Tage vor den Feierlichkeiten in 1992 fertiggestellt.

Das Innenleben und der Sarkophag

Im Inneren des Faro a Colón befindet sich ein Museum, mit Abteilungen für alle Staaten des amerikanischen Kontinents. Die ausgestellten Stücke sind allerdings nicht wirklich atemberaubend und stellen eher symbolischen Wert dar. Neben dem Museum befinden sich auch das Grab von Kolumbus im Faro a Colón. Der Sarkophag des Kolumbus befindet sich direkt hinter dem Eingang.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoAuch Sevilla behauptet von sich, das Grab von Kolumbus zu beherbergen. Eine erste Analyse in Sevilla deutete darauf hin, dass Kolumbus Überreste nicht in Sevilla sind. Eine spätere DNAAnalyse der Gebeine in Sevilla bestätigte im Mai 2006, dass diese tatsächlich von Christoph Kolumbus stammen.

In Sevilla befinden sich allerdings nur etwa 150g Skelettreste. Es ist also nicht auszuschliessen, dass sich der grösste Teil der Gebeine von Kolumbus an einem anderen Ort vielleicht eben in Santo Domingo befindet. Die Dominikanische Republik hatte der DNA-Untersuchung der Gebeine im Faro a Colón schon mehrfach zugestimmt jedoch kam es bislang noch nicht dazu. Immer kurz bevor es zur Untersuchung kam, wurde die Bewilligung annulliert.

Es bleibt also nach wie vor offen, ob die Skelettreste (wenn welche vorhanden) in der Dominikanischen Republik auch von Christoph Columbus stammen.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoDas leuchtende Kreuz

Es war ursprünglich geplant, jede Nacht vom Faro einen Lichtstrahl in Form eines Kreuzes in den karibischen Himmel zu projizieren. Dafür stehen 156 riesige Scheinwerfer zur Verfügung. Die Projektion funktioniert allerdings nicht jede Nacht zuverlässig, da Santo Domingo seit Jahren um eine zuverlässige Stromversorgung kämpft und es immer wieder zu apagones (= Stromabschaltungen) kommt.

Mit 350 000 Watt strahlt die Lichtanlage in den Himmel – ein enormer Stromverbrauch bedenkt man die eher instabile Stromversorgung im Land und das dieser Strom grösstenteils mit fossilen Rohstoffen (Diesel) hergestellt wird.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoDer Bau und seine Kosten

Der Faro al Colón beeindruckt weniger durch Schönheit oder Einfallsreichtum seiner Architektur als durch seine gigantischen Ausmasse und die Summen, die der Bau verschlungen haben muss. Angeblich wurden die Behausungen von etwa 5.000 Familien wegen dem Prestigeobjekt entfernt. Das monumentale Leuchtturmdenkmal wird von seinem Auftraggeber, Präsident Joaquín Balaguer, "achtes Weltwunder" genannt.

Der Streit um das inzwischen durch eine Mauer abgeriegelte Bauwerk fand am Einweihungstag mit der Detonation von Sprengkörpern seinen vorläufigen Abschluss. Der Bau soll zwischen 40 und 70 Millionen US-Dollar gekostet haben - in einem Land, in dem die Hälfte der Bevölkerung unter der Armutsgrenze lebt.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoDie Architektur

Bereits 1931 gewann der britische Architekturstudent J. Cleave einen für das Denkmal 1929 ausgeschriebenen Wettbewerb. Seinem Entwurf folgt aber erst der 1992 abgeschlossene Betonbau in Form eines liegenden Kreuzes, für den Bulldozer 10000 qm Elendsquartiere dem Erdboden gleichmachten.

An den Aussenmauern sind die Namen aller lateinamerikanischen Staaten angebracht. Eine breite Freitreppe führt ins Innere mit dem von Uniformierten bewachten Marmorgrabmal des Christoph Kolumbus, dessen Überreste zur Einweihung des Denkmals am 6. Oktober 1992 aus der Kathedrale hierher überführt wurden.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoVon einem langen Flur gehen Räume ab, in denen sich rund 50 Nationen selbst präsentieren. Der kreuzartige Monumentalbau aus Beton, ca. 250 m lang von Ost nach West und ca. 65 m in Nord-Süd-Richtung, ist eines der meist besuchten Denkmäler in der Dominikanischen Republik.

Beeindruckend sind die Ausmasse des Monuments schon. Schlendert man durch alle Räume der Staaten, durchstreift den langen Korridor innerhalb des Kreuzes, beeindrucken die Dimensionen. Ein Shop und eine kleine Cafeteria, welche man leider kaum findet, wenn man sie nicht kennt, sind eher spartanisch eingerichtet und dürften für ein solches Monument schon bedeutend mehr darstellen.

Bei einem meiner ersten Besuche dort, viel mir sogar auf, das im ganzen Shop nur die üblichen Souvenirs des Landes, wie man sie landesweit zu tausenden findet, ausgestellt waren. Kein Buch, kein Gegenstand handelte vom Faro selbst und meine Enttäuschung war entsprechend gross. In der Zwischenzeit wurde der Shop ein paarmal umgestellt, wirklich verbessert wurde er leider nicht.

Die ursprüngliche Idee

Die ursprüngliche Idee der Errichtung eines internationalen Denkmals mit den Merkmalen eines Leuchtturms, der Erinnerung an Christoph Kolumbus gewidmet, stammt eigentlich vom Dominikanischen Schriftsteller und Historiker Don Antonio del Monte y Tejada, der in seinem Werk die "Geschichte von Santo Domingo", bereits 1852 in Havanna, Kuba, veröffentlicht, diese Idee niederschrieb.

Faro a Colon - Der einmalige Leuchtturm von Santo DomingoErst fünfundzwanzig Jahre später, als man durch Zufall ( ? ) am 10. September 1877 die Überreste des berühmten Admirals Cristóbal Colón, Christoph Kolumbus, entdeckte flammte diese Idee wieder auf, Kolumbus ein Denkmal zu errichten. Die erste Idee, die berühmte und erste Kathedrale in der neuen Welt in Santo Domingo entsprechend umzubauen, lies man zum Glück dank mehrerer Einsprachen wieder fallen.

Faro o Colon - ein Bauwerk das man von weitem sieht und vielleicht gar den Überreste von Colon eine letzte Ruhestätte bietet.

 

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